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Einleitende Worte zur Ausstellung von Herbert Grimm: FRAGMENTE FARBIGER ZEITEN –West meets Middle East ,  Malerei und Neue Grafik, Galerie am Stephansberg Bamberg, 05.12.2014 – 11.01.2015

Zur Übersicht: Abgesehen von den Bildern, die im Gastraum hängen, verteilt sich die Ausstellung noch weiter im Treppenaufgang und im Galerieraum im ersten Stock.

Entstanden sind die Bilder in den letzten fünf Jahren, teilweise waren sie bereits in anderen Ausstellungen zu sehen, etwa 2009 in Kairo, in der Galerie des Goetheinstituts.
Manche der Arbeiten, die damals schon für abgeschlossen befunden wurden, erhielten in jüngerer Zeit eine Überarbeitung. Das erscheint zunächst beliebig, ist aber eine Konsequenz der tiefgreifenden Veränderungen ihres ursprünglichen Kontextes.

2009 lebte Herbert Grimm bereits im 4. Jahr in Ägypten, wohin er 2005 mit seiner Familie gezogen war. Das Ägypten, das er zu dieser Zeit kennenlernte, war für ihn geprägt von einer
starken Offenheit und Lebensfreude der Menschen. Zu keiner Zeit hatte er den Eindruck, sich in einer unsicheren Umgebung zu bewegen, es standen ihm, zumindest gefühlt, alle Möglichkeiten offen. Er nutzte diese Zeit, in langen Erkundungen die Stadt in allen ihren Winkeln und mit ihren Bewohnern kennen zu lernen. Seine Eindrücke hielt er dabei vor allem fotographisch in tausenden von Bildern fest, die dann als Grundlage für Skizzen dienten, oder auch teilweise direkt als Tintendruck verarbeitet wurden, wie auf der
großen Leinwand im Gastraum zu sehen. Auch nach seiner Rückkehr aus Kairo nach Bamberg Mitte 2010, kann er sich mit Hilfe dieser Bildersammlung in seine Wahrnehmung der Stadt vor einigen Jahren hineinversetzen.
Dies ist nötig, denn seit den gewalttätigen Auseinandersetzungen im Zuge der sogenannten arabischen Revolution und den seitdem noch andauernden Machtkämpfen im Land, ist Herbert Grimm dorthin nicht zurückgekehrt. Wie er von Freunden in Ägypten erfährt, hat sich dort viel verändert. Die Sicherheit, mit der man sich noch vor kurzem durch alle Viertel der Stadt und auch durch alle Wüstengebiete bewegen konnte, ist zumindest aktuell völlig zerstört.

Was bleibt?
Die damals entstandenen Werke und Fotografien sind Dokumente ihrer Entstehungszeit. lhre neue Überarbeitung entspringt der Erinnerung und vermischt sich gleichzeitig mit neuen Eindrücken und einer veränderten Persönlichkeit des Künstlers. ln den ,,Fragmenten farbiger Zeiten" vermischen sich folgende Gesichtspunkte:
Visuelle Zeitdokumente, Erinnerungen an Gefühle und Erfahrungen in Ägypten, Einflüsse islamischer Bildwelten, die Angst und Zerstörung der Revolutionszeit, der Kontrast zur westlichen Kultur.
Die Ausstellung im Goethe-lnstitut Kairo 2009 trug bereits den Titel ,,Fragmente". Damals war dieser mehr auf die Ausschnitthaftigkeit der Wahrnehmung bezogen, es spielte jedoch bereits eine politische Komponente mit hinein: Der tiefe Staat der Mubarak-Diktatur war latent präsent im öffentlichen, wie auch im privaten Leben, und schon damals drängte sich auf, dass Dinge im Verborgenen passierten, die sich der Wahrnehmung des fröhlichen Ägypten entzogen. Zur ausschnitthaften Wahrnehmung kommt heute die fragmentarische Erinnerung hinzu, sowie die Trümmer der Revolution, durch die der erfahrene Frieden und die Offenheit des Landes in Stücke gerissen wurden.

TECHNIK:
Den Ausdruck dieser Einflüsse findet Herbert Grimm in einer sehr eigenen Arbeitsweise, in der sich sehr konträre Techniken miteinander verknüpfen.
lm Zuge der Vorbereitung wurde überlegt, zu jedem Bild technische und Materialangaben zu machen. Dabei wurde festgestellt, dass man bei eigentlich  jedem der gezeigten Werke ,,Mischtechnik in verschiedenen Materialien" angeben müsste, was letztlich dem Betrachter nicht besonders weiterhilft. Die eingesetzten Techniken reichen von einer Art von Schichtenmalerei unter Einsatz einer Offset-Druckmaschine über Linoldruck und eigene Tiefdruckverfahren , zu Zeichnung mit Ölkreide, Pastellkreide oder Graphit.
Die verschiedenen technischen Schritte sind immer äußerst planvoll gesetzt, da jeder Fehler einen Verlust der gesamten Arbeit bedeuten kann. Entgegen klassischen Drucktechniken,die ja schon ursprünglich und auch heute vor allem der Vervielfältigung einer Vorlage dienen, ist bei Herbert Grimm fast jedes Bild ein Unikat, nur in wenigen Ausnahmefällen ist ein Auflagendruck überhaupt möglich.
David Grimm, Kunsthistoriker und Ethnologe, Sohn des Künstlers