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Experimentelle Druckgrafik

Im Zeitalter des „ anything goes“ hat sich der Versuch , durch das multiplizierte Kunstwerk eine neuartige Beziehung zwischen Kunst und Gesellschaft aufzubauen, als Fiktion erwiesen. Laszlo Moholy-Nagys Verdikt, „der naive Wunsch des Sammlers, ein einmaliges Objekt zu besitzen, könne nicht mehr vertreten werden“, ist 60 Jahre nach dem Ende des „bauhauses“ wieder ins Reich der Utopie entrückt. Allen ideologischen, ästhetischen un d soziologischen Orakeln zum Trotz ist die signierte und auflagenlimitierte, nicht von der Aura des Originals befreite Druckgraphik auch in der Postmoderne ein fester Bestand der bildenden Künste geblieben. Über ihre weitere Zukunft kann nur spekuliert werden.  Anders als die Zeichnung oder Malerei gehört sie nicht zu den elementaren menschlichen Lebensäußerungen, sondern ist an ein technisches, vermittelndes Medium gebunden. Und diese Medien, das lehrt die Kunstgeschichte seit der frühen Rennaissance, sind deutlichen Wandlungen unterworfen, die nicht losgelöst von den Veränderungen der gesellschaftlichen Realität betrachtet werden können. Besonders in Ihrer Kombination, die graphische Mischtechniken entstehen lässt, liegt die Chance,  künftig noch Freiräume und neue Gestaltungsfelder zu erobern.

Aus Dr. Andreas Kühne „Tendenzen heutiger Druckgrafik“, Vorwort zum Katalog der Ausstellung „Experimentelle Druckgrafik“ , Haus der Kunst, München 1976.